Low-Harps sind Mundharmonikas, die tiefer gestimmt sind als normal. Sie klingen dadurch besonders reizvoll. In diesem Artikel erfährst du was Low-Harps sind, welche es gibt und wie du sie einsetzt.
Die Low-Harps sind eine relativ neue Gattung der Mundharmonikas. Sie sind durch eine tiefere Tonlage gekennzeichnet. Diese tiefen Töne, die bis hinunter in den Bass-Bereich gehen, machen sie besonders interessant. Sie klingen weicher, als normale Mundharmonikas und eignen sich daher besser für die Begleitung.
Der Klang erinnert leicht an ein Tenor-Saxophon, in dessen Stimmlage sie auch liegen. Durch die tiefen Töne ergeben sich ganz neue Einsatzmöglichkeiten für die Mundharmonika.
Nicht zu verwechseln sind Low-Harps mit Bass Mundharmonika. Dabei handelt es sich um eine spezielle Form der Mundharmonika, die für die Begleitung entwickelt wurde.
Die normale Stimmlage der Mundharmonika
Bevor wir über Low-Harps sprechen, müssen wir zuerst einmal klären, inwiefern diese sich von normalen Mundharmonikas unterscheiden.
Diatonische Mundharmonikas werden in allen Tonarten gefertigt. Die tiefste normale Tonart ist dabei G-Dur. Die Tonart C-Dur liegt genau in der Mitte des Stimmumfangs der normalen Instrumente. Die höchste normale Mundharmonika ist die Tonart Fis-Dur.
Der tiefste Ton der Normalstimmung ist das international G3 genannte kleine g. Die C Mundharmonika beginnt beim eingestrichenen c’, international C4. Und der höchste Ton der normalen Stimmlage ist das Fis7, oder bei uns viergestrichenes fis’’’’.

Eine Einschränkung der Diatonischen Mundharmonika liegt darin, dass sie zwar durchaus eine tiefe Oktave mit Tönen im Bass-Bereich enthält. Diese Oktave ist aber nicht komplett, so dass beispielsweise bei einer C-Harp die Töne C und A fehlen. Darum kann man in dieser tiefen Oktave auch nicht alle Lieder spielen.
Beispielsweise kann man auf der tiefsten normalen Mundharmonika in G-Dur dadurch nur Lieder mit Tönen ab dem G4 (eingestrichenes g’) spielen. Auf einer C-Harp sind es nur Lieder ab dem zweigestrichenen c’’ (C5).

Die normalen Mundharmonikas sind also für Lieder in der Sopran-Stimmlage geeignet. Lieder liegen in der eingestrichenen und zweigestrichenen Oktave. Die Tonhöhe ähnelt also einer Querflöte, Oboe oder einer Violine.
Alle Klarheiten beseitigt? Die deutschen Tonbezeichnungen.
Vielleicht schwirrt dir der Kopf. Denn im Artikel werden viele verschiedene Tonbezeichnungen verwendet.
Diese komischen Tonbezeichnungen je Oktave, mit groß,klein oder mehrfach-gestrichenem Ton verwendet man nur in Deutschland. Das verwirrende System hat der Musikwissenschaftler Helmholtz erfunden. Typisch Deutsch eben – man muss es eben möglichst kompliziert machen. Und aus Liebe zur Tradition, wird es auch heute noch nur bei uns eingesetzt.
International werden die Oktaven von Null bis Acht durchnummeriert. Das schafft Klarheit. Darum hat sich diese Zählweise auch in der Musikwissenschaft durchgesetzt.
Low Harps – Eine Oktave tiefer
Früher wurden nur Mundharmonikas in Normalstimmung hergestellt. Der Hersteller C.A. Seydel hat aber erkannt, dass viele Spieler auch tiefere Mundharmonikas reizvoll finden. Daraufhin brachte diese Firma eine Serie von sogenannten „Low-Mundharmonikas“ heraus. Später sind die anderen Hersteller nachgezogen.
Die Low-Harps gleichen vom Tonaufbau den normalen Mundharmonikas. Das heißt, sie haben dieselbe Reihenfolge und den selben Tonaufbau einer normalen Richter-Mundharmonika. Der einzige Unterschied besteht darin, dass jeder Ton der Mundharmonika eine Oktave tiefer gestimmt ist.
Der Vorteil ist also, dass du, sofern du schon mit einer normalen Harp vertraut bist, alle Lieder oder Begleitmuster sofort eine Oktave tiefer spielen kannst. Allerdings benötigt man für eine Low-Harp im Vergleich mehr Luft. Denn die Stimmzungen sind ja auch größer und allein dadurch wird mehr Luft durch die Mundharmonika geblasen.

Eine Low-G Harp beginnt also beim G2, auf Deutsch als großes G bezeichnet. Die Töne liegen also schon in der sogenannten Großen Oktave. Die Low-C-Mundharmonika startet beim kleinen c, also dem C3. Der höchste Ton der Low-F Harp ist das F6.
Die Low-Harp liegt dadurch im Stimmbereich der Tenöre. Die Lieder bewegen sich in der kleinen und eingestrichenen Oktave. Von der Tonhöhe bewegt sich eine Low-Mundharmonika im selben Bereich, wie die Klarinette, das Alt-Saxophon, eine Trompete oder eine Viola.

Im Vergleich zur Gitarre, befinden sich die tiefsten Töne der Low-Harps im Bereich der eine Oktave über den Bassaiten liegt. Jedenfalls ab der Tonart Low-E.
Low-Mundharmonikas gibt es im Gegensatz zu den normal-gestimmten Harps, nicht in jeder beliebigen Tonart. Das Angebot unterscheidet sich auch je Hersteller. So werden werden beispielsweise nur in Low-F statt Low-Fis verkauft. Das ist aber gut zu verschmerzen, da diese Tonarten eh in der Praxis sehr ungebräuchlich sind.
Low-Harps sind meistens auch etwas dicker als normale Mundharmonikas. Denn die Stimmzungen werden aufgrund ihrer größeren Masse weiter ausgelenkt. In dieser Hinsicht muss man sich als Spieler also auch erst umstellen.
Low Low Harps – zwei Stockwerke tiefer
Bald nach der Einführung der Low-Harps kam der Ruf nach noch tieferen Mundharmonikas auf. Die Tiefton Harps haben schließlich ihren ganz eigenen Charme. Was lag also näher, als noch tiefere Stimmungen anzubieten?
Die Low-Low Mundharmonikas werden auch als „Superlow-Harps“ bezeichnet. Die Ultra-Low Harps sind nur in den drei Tonarten E, F und Fis erhältlich. Die Bezeichnung lautet dabei Low-Low E (LLE), Low-Low-F (LLF) und Low-Low-F# (LLF#).

Genau genommen werden schon die Low-Mundharmonikas, die tiefer als Low-C sind, als Super- oder Ultra-Low Tonarten bezeichnet. Der tiefste Ton der Low-Low-E ist das E2, die LLF geht hinunter bis zum F2.
Die tiefsten Töne der Superlow Harps liegen damit schon in der großen Oktave. Damit liegen diese Harps tatsächlich schon in der Stimmlage eines menschlichen Bass-Sängers. Die untere Oktave der Low-Low-E Harp entspricht dabei den Basssaiten einer Gitarre. Oder den unteren Tönen der Posaune.

Melodien lassen sich freilich erst in der kleinen Oktave ab dem E3 bzw. F3 vollständig spielen.
Die Super-Low Harps sind auch nicht bei jedem Hersteller bis zu LLE erhältlich. So gibt es von Hohner nur die Low-Low-F Thunderbird.
Tiefe Chromatische Mundharmonikas
Eigentlich benötigt man bei Chromatischen Mundharmonikas keine besonders tief gestimmten Modelle. Denn schon die Drei-Oktav Chrom enthält alle Töne ab dem C4 im Sopran. Und die Vier-Oktav-Chromatischen hängen nochmals eine weitere Tiefton-Oktave darunter. Sie beginnen im Tenor mit dem C3 in der kleinen Oktave.
Das entspricht also den Tonarten Low-C, Low-D, Low-E und Low-F der Diatonischen Mundharmonikas. Damit kann man auf so einer 4 Oktav Chromatischen Mundharmonika in einem Tonumfang spielen, der größer ist als der einer Violine.
Trotzdem haben einige Hersteller auch Low-Chroms im Programm. Dabei handelt es sich jedoch um Drei-Oktav Modelle, die eine Oktave tiefer gestimmt sind. Beispielsweise beginnt eine solche Low-C Chrom beim C3, also genau mit dem selben Ton, wie jede Standard-Vier Oktav Chromatische Mundharmonika.
Mit einem Augenzwinkern kann man diese Chroms schon als Low-Mundharmonika bezeichnen.
Etwa die C.A. Seydel Saxony Low C* oder Hohner Chromonica II 270 Low C*.
Auch die Non-Slider Chromatic von C.A. Seydel*, die keinen Schieber hat, ist in der Variante Low-C erhältlich. Dieses Modell beginnt auch beim C3.
Spezial-Stimmung: Hohner Penta-Harp in Low F
Die Firma Hohner hat sich für Gitarristen etwas einfallen lassen. Diese kennen die Moll-Pentatonik schon vom Jammen in Rock und Blues. Und genau diese Tonleiter suchen sie auf einer konventionellen Harp vergeblich.
Die Moll-Pentatonik ist zwar mit speziellen Spieltechniken auch auf den Richter-Harps kein Problem. Jemand, der nur mal eine Mundharmonika als Effekt einsetzen will, kann es sich mit der Penta-Harp aber einfach machen. Denn der Lernaufwand hält sich in Grenzen und man kann quasi sofort losjammen, auch wenn es nicht authentisch nach Blues-Harp klingt.
Für diese Zielgruppe gibt es auch eine tiefgestimmte Penta Harp. Und zwar das Modell Penta Harp Low-F Minor für F-Moll*.
Bass Mundharmonikas
Viele verwechseln Low-Harps mit den sogenannten Bass-Mundharmonikas*. Bei einer Bass-Mundharmonika handelt es sich um eine spezielle Mundharmonika-Art. Diese wurde extra für die Begleitung in Mundharmonika-Ensemble erfunden.
Bekannt geworden ist der Einsatz einer Bass-Mundharmonika durch das Lied „The Boxer“ von Simon and Garfunkel. In dem Song spielte Charlie McCoy eine Bass Mundharmonika zur Begleitung der zwei Folk-Sänger.
Eine Bass Mundharmonika enthält in der Regel Bass-Töne für alle 12 Töne der westlichen Musik. Die zwölf Töne werden in zwei Teilen der Bass-Mundharmonika untergebracht. Wobei der untere Teil alle Töne der C-Durtonleiter als Blastöne enthält. Der obere Teil enthält die um einen Halbton nach oben versetzten restlichen Töne, auch jeweils als Blastöne.
Der Tonaufbau ist also chromatisch. Ziehtöne gibt es nicht. Sie hat mit den Low-Mundharmonikas nichts gemeinsam. Die Töne sind bei der Bass-Mundharmonika zusätzlich gedoppelt. Im Grunde handelt es sich also um eine Oktav-Mundharmonika.
Der tiefste Ton einer Bass-Mundharmonika ist meistens das E1 in der Kontra-Oktave. Sie liegen also nochmals eine weitere Oktave unter der Low-Low-Harp LLE. Damit machen Bass-Harps auch einem Kontrabass und einem E-Bass Konkurrenz.
Wie setzt man Low-Harps richtig ein?
Low Harps sind in ein paar Einsatzszenarien ganz praktisch. Das beginnt schon, wenn man als Solo-Künstler unterwegs ist. Mit einer bassigen Harp auf dem Gestell kann man sein Gitarrenspiel damit sehr gut begleiten. Gerade bei akustischer Musik ist eine Low-Harp besonders reizvoll.
Durch die tiefe Tonlage kommt die Mundharmonika nicht mit der Gitarre ins Gehege und das passt alles sehr gut zusammen. Zusätzlich bieten die tiefen Töne einen starken Kontrast zu Gesang und anderen Instrumenten, was die Performance interessanter macht.
Auch im Duo oder Trio ersetzt eine Low-Mundharmonika kurz mal einen Bass. Sehr gut klingen bei Low-Harps rhythmische Akkordmuster. Allerdings eher dann, wenn man maximal ein, zwei Instrumente oder Gesang begleitet.
Je mehr Instrumente und Stimmen dazu kommen, desto wichtiger ist es, dass du dich mehr aufs Melodiespiel beschränkst. Weniger ist mehr, so wie es bei einer Bass-Gitarre auch üblich ist. Denn das Tiefton-Fundament benötigt Ruhe, während die anderen Instrumente in den höheren Lagen umhertanzen. Spiele also lieber einfache Melodien und konzentriere dich auf die Grundtöne der Akkorde des Songs.
Vor allem in richtigen Bands, die einen E-Bass haben, tut sich eine Low-Harp dagegen schwer. Denn ein Bass hat mehr Druck und die Gitarre spielt Begleitung auch in einem tieferen Tonbereich. Die Mundharmonika ist dann oft gar nicht zu hören. Und das selbst, wenn sie elektrisch verstärkt wird. In einer Rock oder Blues Band kann man eine Low-Harp darum eher bei einer Solo-Einlage wirkungsvoll in Szene setzen.
Sind Low-Harps gut für Anfänger?
Mundharmonikas in tiefen Tonarten sind schwierig zu spielen. Schon die tiefste Normal-Harp in G ist für Mundharmonika-Einsteiger eine Herausforderung. Denn die Töne verstimmen sich leicht. Und es kommt dadurch auch sehr schnell dazu, dass sich Töne gar nicht mehr spielen lassen.
Das liegt daran, dass bei Mundharmonikas die Stimmzunge mit dem Mundraum interagiert. Das bedeutet, die Stimmzunge bildet zusammen mit dem Mund-Rachen-Raum ein System, dass in Resonanz liegt.
Damit ein Ton entsteht, muss dieses System aufeinander abgestimmt sein, sonst erklingt kein sauberer Ton. Erfahrene Spieler haben es irgendwann gelernt, die Form des Munds intuitiv auf den gespielten Ton einzustellen.
Bei höheren Tonarten, ist diese Abstimmung nicht ganz so kritisch. Bei tiefen Tonarten macht sich eine Fehlabstimmung allerdings schnell bemerkbar. Darum haben unerfahrene Mundharmonika-Spieler auch Probleme mit Low-Harps.
Darum sind Mundharmonikas in Normalstimmung auch für den Einstieg ins Mundharmonika-Spiel sehr zu empfehlen. Low-Harps sind eher etwas für weiter Fortgeschrittene.
Sind Low-Harps schwer zu spielen?
Je tiefer die Tonlage einer Mundharmonika liegt, desto anspruchsvoller ist sie auch zu spielen. Im vorhergehenden Abschnitt wurde bereits erklärt, warum das so ist. Der Spieler muss seinen Mundraum auf die gespielten Töne einstellen, um sauber klingende Töne zu erzeugen.
Zusätzlich benötigt man durch die größeren Stimmzungen mehr Luft beim Spielen. Mit jeder Schwingung der Stimmzunge geht nämlich doppelt so viel Luft verloren, wie bei einer normalen Mundharmonika. Hier muss man also schon eine gute Atemtechnik entwickelt haben.
Auch das Bending wird mit der Tiefe immer schwerer. Das liegt daran, dass die Mundraum sich dabei auf den Ton einstellen muss. Die tiefen Tonlagen müssen daher neu beherrscht werden. Das stellt selbst erfahrene Spieler auf die Probe. Bei Low-Low Harps sind Bends wirklich eine Herausforderung.
Kurz gefasst – ja Low-Harps sind schwerer zu spielen, als Mundharmonikas in Normalstimmung.
Welche Low-Harp eignet sich für den Einstieg?
Für den Einstieg in die niedrigen Tonarten eignen sich die höchsten Low-Tonarten. Denn diese sind noch relativ nahe an der Normalstimmung dran. Und damit sind die Probleme auch schnell in Griff zu bekommen.
Eine Harp in Low-F oder Low-E ist darum der beste Einstieg in tiefe Tonarten.
Zum Beispiel die Hohner Marine Band Thunderbird in Low F* oder die C.A. Seydel Söhne Blues Solist Pro Low E*.
Danach kann man sich Stück für Stück eine tiefere Harp kaufen. Also beispielsweise in der Reihenfolge D, C, Bb, A und G. Wer dann noch Lust hat, kann zu einer der Low-Low-Mundharmonikas greifen.
Fazit
Low-Harps sind tief gestimmte Mundharmonikas mit einem ganz speziellen Klang. Das macht sie für viele neue Möglichkeiten interessant.
Im Vergleich zu normalen Harps sind die Low-Mundharmonikas ein oder zwei Oktaven tiefer gestimmt. Sie reichen vom Tenor bis hinunter in den Bass-Bereich Low Harps gibt es in vielen Tonarten bis hinunter zu Low G. Darunter gibt es noch drei Low-Low Tonarten mit den sogenannten Super-Low-Harps.
Auch Chromatische Mundharmonikas gibt es in Low-Varianten. Diese sind für Drei-Oktav Chroms erhältlich und erlauben es diesen, genauso tief zu klingen, wie eine Vier-Oktav Chrom. Daneben gibt es auch Harps in Sonderstimmungen in Low-Tonarten, wie die Penta Harp.
Eine Bass Mundharmonika ist eine ganz andere Instrumenten-Gattung. Es handelt sich dabei um eine Mundharmonika, die speziell mit Basstönen ausgestattet ist. Sie eignet sich nur als Begleitinstrument und ist nochmals eine Oktave tiefer als Low-Low-Harps.
Low-Harps sind schwerer zu spielen, als normale Mundharmonikas. Sie sind daher für Anfänger nicht zu empfehlen. Selbst Fortgeschrittene müssen sich erst an Low-Tonarten gewöhnen.
In der Praxis eignen sich Low-Harps eher für die Begleitung kleiner Gruppen. Oder für das Spielen als Solo Künstler. Sehr reizvoll klingen vor allem rhythmische Muster. In einer Band hat eine Low-Harp gegen eine Gitarre und einen E-Bass Durchsetzungsprobleme.
Insgesamt ist eine Low Harp eine reizvolle Ergänzung für jeden Mundharmonika-Koffer.
Let the times roll – Mark
Rhythmische Muster auf der Mundharmonika lernen? Melde dich in unserer HarmonicaRocks Online-Spielfabrik an und mache dich mit ihnen vertraut.
Hat dir dieser Artikel gefallen? Dann teile ihn jetzt auf Facebook!
Dieser Artikel enthält Affiliatelinks/Werbelinks*.

>> Zum Mundharmonika Test und Vergleich >>


